JOSEPH
Diese hervorragende Aufnahme von Chief Joseph verdanken wir dem Fotografen F.J. Haynes.


JOSEPH (CA. 1832 - 1904)

„INMUT-TOO-YAH-LAT-LAT“
(Donner, der über die Berge rollt)
HÄUPTLING DER NEZ PERCÉ
Joseph war wahrscheinlich der würdevollste aller Helden des Wilden Westens. Er war von etwas kleinerer Statur als sein Bruder Ollikut, aber immerhin doch 1,87 Meter gross und etwa 90 Kilogramm schwer.

Kein Indianerkrieg war so unnötig und überflüssig wie der Nez Percé-Feldzug. Im Jahre 1805 hatten die Nez Percé mit Meriwether Lewis Frieden geschlossen und diesen nie gebrochen; der Stamm war stolz darauf, niemals das Blut eines Weissen vergossen zu haben.
Häuptling Joseph fand, als er von einer Jagd in den Wallowa Mountains zurückkehrte, sein Lager bei der Lapwai-Reservation in Aufruhr, weil einige Hitzköpfe Weisse überfallen hatten. Da er Vergeltungsmassnahmen befürchtete, ergriff er - mit 150 Männern im Kampfesalter, 550 älteren Männern, Frauen, Kindern und 2’000 bis 3’000 Pferden und Rindern - die Flucht. Die Flucht der Nez Percé begann im Juni 1877 und dauerte 108 Tage. 
Als die Nez Percé ostwärts zogen, um bei anderen Indianern Hilfe zu suchen, gewannen sie gegen die US-Armee einige Schlachten. Nach einem Rückschlag am Canyon Creek strebten sie nordwärts, um in Kanada Zuflucht zu suchen. Doch am 5. Oktober 1877 mussten sie schliesslich - nach einem Marsch von über 2’500 Kilometern - bedingungslos kapitulieren. Von den 700 Nez Percé, die am 15. Juni die Flucht ergriffen hatten, waren nur noch 431 Personen übriggeblieben, darunter nur 79 Männer.
Im Jahr 1901 erklärte Joseph einem Interviewer: „Meine Heimat liegt im Wallowa Valley, und ich möchte zurück und wieder dort leben. Mein Vater und meine Mutter sind dort begraben. Wenn mir die Regierung nur ein kleines Stück Land im Wallowa Valley für meine Leute und dazu einen Lehrer geben würde, so ist das alles, was ich verlangen würde.“ Die USA freilich taten ihm diesen Gefallen nicht, obwohl er die Reise nach Washington unternommen hatte, um Präsident Theodore Roosevelt darum zu bitten. 
Häuptling Joseph wirkte 30 Jahre nach den kriegerischen Auseinandersetzungen ungebrochen und energiegeladen. Bevor sein Leben zu Ende ging, erklärte er voll Grossmut: „Ich hege keinen Groll gegen irgendeinen der weissen Männer.“
Am 21. September 1904 sass Joseph in seinem Tipi am Feuer, und plötzlich kippte er vornüber und fiel aufs Gesicht. Der Arzt der Reservation meinte dazu: „Joseph starb an gebrochenem Herzen.“

 

JOSEPH

OLLIKUT
OLLIKUT

CHIEF JOSEPH im Jahre 1903
Chief Joseph im Jahre 1903


©  INDIAN LAND Museum, CH-8625 Gossau ZH.  All rights reserved (11.1999 RM)
(letzte Aenderung: 15.05.2003)